Neuer Super-Kanal bereit für Abwasser vom Infineon-Werk

Torsten Seiler, Rainer Aurin und Heiko Nytsch

Für Investitionschef Torsten Seiler und die Projektleiter Heiko Nytsch und Rainer Aurin ist jetzt eine besondere Etappe beim Bau des Industriesammlers Nord geschafft. An diesem Tag stehen sie vor den Toren des neuen Infineon-Werks an der Königsbrücker Straße, das am 2. Juli offiziell übergeben werden soll. Denn hier ist noch der 15 Meter lange Kanal hergestellt worden, mit dem die neue Fabrik ihren direkten Anschluss an den zehn Kilometer langen Nordkanal bekommt. „Wir sind froh, dass wir schon hier sind“, sagt Investitionschef Seiler. Seit drei Jahren wird mit dem Nordkanal ein leistungsfähiger Abwasser-Direktanschluss für Dresdens wachsende Chipindustrie gebaut. „Wenn Infineon sein neues Werk übergibt, ist unser Industriesammler Nord weitgehend fertig.“

Die neue Fabrik von Infineon Technologies ist ein bedeutender Zuwachs für Dresdens Chipindustrie. Das fünf Milliarden Euro teure Werk ist die größte Einzelinvestition in der Firmengeschichte. Zudem ist der Dax-Konzern auch am Gemeinschaftsunternehmen ESMC mit Taiwans Chipgiganten TSMC beteiligt, das unweit davon im Rähnitzer Gewerbegebiet an der A4 ein Halbleiterwerk für zehn Milliarden Euro hochzieht. Auch ESMC wird an den neuen Industriesammler angeschlossen.

Das Großprojekt: Sieben Kilometer Stahlbetonröhre durch Erde gepresst

Mit den neuen Chipwerken wäre das vorhandene Kanalnetz überlastet. Deshalb baut die Stadtentwässerung für rund 76 Millionen Euro den rund zehn Kilometer langen Hauptkanal vor allem für die Abwässer der Mikroelektronik-Betriebe. Der Nordkanal führt vom Klärwerk an der Elbe aus parallel zur Autobahn und durch den Heller bis zur Königsbrücker Straße (siehe Grafik). Unterwegs fließt dabei das Abwasser von den Gewerbegebieten in Rähnitz und Wilschdorf in den Kanal.

Etwa zehn Millionen Kubikmeter Industrieabwasser fließen aktuell zur Kläranlage. Allein die Werke von Globalfoundries, Infineon, Bosch und X-Fab leiten schon jetzt 93 Prozent der Dresdner Industrie-Abwässer ein. In den kommenden Jahren wird sich die Industrieabwassermenge nochmals stark erhöhen. Das vorhandene Kanalnetz wäre damit überlastet. Rund drei Kilometer des Kanals werden in offener und sieben Kilometer in geschlossener Bauweise hergestellt, erläutert Projektleiter Nytsch. Offen heißt, dass Gräben ausgebaggert und Rohre verlegt werden.

Beim geschlossenen Verfahren werden Stahlbetonröhren durch die Erde gepresst. In die werden dann noch 1,2 Meter hohe Kunststoffleitungen gezogen, da dort das Abwasser unter Druck fließt

Der Höhepunkt: Durchstich an der Königsbrücker Straße

Im Juli 2023 hatte der Bau an der Superröhre mit dem symbolischen Spatenstich am Klärwerk Kaditz begonnen. Das Elbehochwasser zum Jahreswechsel 2023/2024 flutete Baugruben, Altlasten am Heller bescherten Zusatzaufwand. Die Kanalbauer kamen dennoch gut voran und überwanden so manches weitere Hindernis im Untergrund. Der 10. Dezember 2025 war für Investitionschef Seiler, die Projektleiter und die Bauleute ein großer Tag bei dem ehrgeizigen Großprojekt. Da hatte die Tunnelbohrmaschine mit dem Durchstich beim Bau des Nordkanals ihr Ziel bei Infineon an der Königsbrücker Straße erreicht.