Großer Klärwerksausbau startet mit Abriss

Dresdens größtes Klärwerk steht vor einem Mammutprojekt: Bis 2036 entstehen neue Belebungsbecken, Nachklärbecken und eine komplett neue Einlaufgruppe. Der Grund: Die Halbleiter-Industrie lässt die Abwassermenge explodieren. Welche Anlagen jetzt abgerissen werden müssen. 

In den nächsten Jahren wird das Kaditzer Klärwerk zur Großbaustelle. Denn es soll bis 2036 ausgebaut und erweitert werden, um es für die kommenden Jahrzehnte zukunftssicher zu gestalten. Das ist dringend nötig. Einerseits soll die Dresdner Bevölkerung wachsen. Zum anderen wird sich die Menge des Industrieabwassers mehr als verdoppeln. Denn die Halbleiter-Industrie wächst rasant. Außerdem ergeben sich aus der neuen kommunalen Abwasserrichtlinien verschärfte Anforderungen.

Der Auftakt:  Nach neuem Gasspeicher folgen Blockheizkraftwerke

Bereits fertiggestellt ist ein zweiter, 5.000 Kubikmeter fassender Gasspeicher. Der Bau hatte im Herbst 2024 begonnen. „Ende 2025 hatte der Probebetrieb begonnen“, erklärt die Teamleiterin. Das aus der wachsenden Menge von Klärschlamm gewonnene Gas wird in den Faultürmen gleichmäßig erzeugt. Ein weiterer Gasometer ist nötig, damit auch in Spitzenzeiten immer genügend Gas für die Blockheizkraftwerke zur Verfügung steht, mit denen im Mittel schon jetzt 85 Prozent der Energie fürs Klärwerk Kaditz selbst erzeugt werden. Für den Bau hatte die Stadtentwässerung über drei Millionen Euro investiert.

Investiert wird jetzt auch in Blockheizkraftwerke (BHKW), die im Zuge des Baus der Faultürme bis 2013 errichtet wurden. Zuerst wird ein viertes BHKW bis Ende August 2027 in eine für einen zweiten Bauabschnitt freigehaltene „Lücke“ gebaut. Ist das in Betrieb, soll ein weiteres altes BHKW bis Anfang 2028 durch ein Neues ersetzt werden. Dann kann mit vier Blockheizkraftwerken Strom erzeugt werden. Dafür sollen rund 3,9 Millionen Euro investiert werden.

Geplant ist außerdem, voraussichtlich ab 2029 die Schlammbehandlung zu erweitern. Vorgesehen ist ein dritter Faulturm, der mit 35 Metern auch so hoch wie die beiden vorhandenen werden soll. Da noch mehr Faulschlamm anfällt, werden auch die Anlagen der Schlammentwässerung und Schlammverladung erweitert.

Die Abwasserbehandlung: Herzstück wird stark erweitert

Stark erweitert werden soll das Herzstück des Klärwerks, die biologische Reinigung. Schließlich hat sich das Abwasservolumen aus Industrie und Wohngebieten inklusive des Niederschlagswassers auf jährlich 55 Millionen Kubikmeter erhöht. Die Belebungs- und Verteilerbecken fassen insgesamt 144.000 Kubikmeter. Geplant sind drei weitere Belebungsbecken, die insgesamt 48.000 Kubikmeter fassen, erklärt Teamchefin Bollrich. 

Parallel dazu werden die vorhandenen sechs Nachklärbecken durch zwei weitere ergänzt. Mit dem Abriss der beiden alten Gebäude wird der Platz dafür geschaffen. Im Februar kommenden Jahres beginnen die Arbeiten am Verbau der Baugrube für die neuen Belebungs- und Nachklärbecken. Sind die Wände gesichert, kann der Aushub anfangen. Geplant ist, dass der Beckenbau im Oktober 2027 beginnt.

Geplant sind auch ein neues zentrales Maschinenhaus und die Erweiterung der Druckluftversorgung für die Becken der biologischen Reinigung. Darin leisten Mikroorganismen die Hauptarbeit bei der Abwasserreinigung. Der Ausbau der gesamten Abwasserbehandlung, für den rund 96 Millionen Euro veranschlagt sind, soll bis 2032 dauern.

Die neue Einlaufgruppe: Neuer Sandfang, Rechen und Pumpwerk am Zulauf geplant

Am Zulauf zur Kaditzer Kläranlage kommt immer mehr Abwasser an. „Das ist das hydraulische Nadelöhr unserer Kläranlage“, sagt die Projektleiterin. Deshalb soll zwischen 2030 und 2036 eine neue, leistungsfähigere Einlaufgruppe mit Sandfang, Rechen und Pumpwerk auf der früheren Vonovia-Fläche vor der Zufahrt zum Klärwerk gebaut werden. Die hatte die Stadt im Jahre 2019 zum Zwecke der Erweiterung der Kläranlage erworben. Da dortige Grundstücke noch vermietet sind, kann der Bau nicht früher beginnen. In den denkmalgeschützten Gebäuden der bisherigen Einlaufgruppe ist der Bau einer leistungsfähigeren Einlaufgruppe nicht möglich.

Vorgesehen ist, das Abwasser künftig von der neuen Einlaufgruppe durch eine große Rohrleitungstrasse zur biologischen Reinigung zu pumpen. Gebaut werden soll auch ein Medienkanal, durch den unter anderem Strom- und Wasserleitungen dorthin führen. „Wir sind derzeit in der Entwurfsplanung und bereiten den Genehmigungsantrag für die neue Einlaufgruppe vor“, sagt die Teamleiterin.

Konzeptionell vorgesehen ist auch der Bau einer vierten Reinigungsstufe auf der Fläche neben den alten Nachklärbecken. Allerdings wird derzeit noch politisch darüber diskutiert. „Fällt die Entscheidung dafür, müssen bestehende Gebäude auf dem Klärwerksgelände weichen“, erklärt sie. Nur dort können die Anlagen der vierten Reinigungsstufe gebaut werden.