Energie 21

Vom Energiefresser zum Energieproduzenten

Die historischen Faultürme werden mit Erdwärme klimatisiert.

Der Verbrauch von Elektro- und Wärmeenergie stellt einen wesentlichen Kostenfaktor für den Betrieb der Abwasser- und Schlammbehandlungsanlagen dar. Die meiste Elektroenergie verbrauchen die Pumpen zur Abwasserförderung sowie die Druckluftgebläse der biologischen Abwasserreinigungsstufe (Stromverbrauch der Kläranlage im Jahr 2014: 23.000 MWh).

Bei der Abwasserreinigung fallen täglich rund 6 Millionen Liter (6.000 Kubikmeter) Schlamm an, der umweltgerecht behandelt und entsorgt werden muss. Bis 2011 hatte die Stadtentwässerung Dresden GmbH den Schlamm mit Hilfe von teurem Erdgas getrocknet. Dessen Bezug kostete jährlich 1,7 Millionen Euro. Doch im Klärschlamm steckt pure Energie. Diesen Schatz hebt das Entsorgungsunternehmen jetzt mit der Schlammbehandlungsanlage an der Autobahn A4.

Mit den jährlich aus Klärgas produzierten 15.000 Megawattstunden Elektroenergie könnte man 3.000 Vier-Personen-Haushalte versorgen. Doch der Strom wird in das Netz der Kläranlage eingespeist und deckt deren Bedarf zu 70 Prozent. Mit der erzeugten Wärme werden der Schlamm erwärmt und Betriebsgebäude geheizt. Außerdem verringert sich die zu entsorgende Schlammmenge um 30 Prozent.

Das Ziel lautet: energieautonome Kläranlage

Künftig soll die Dresdner Kläranlage ohne zusätzliche Energie auskommen. Das ist u. a. durch Energieeinsparungen und die Mitbehandlung von Bio-Abfällen in der Schlammbehandlung erreichbar (Co-Vergärung).

Die Stadtentwässerung Dresden bewies bereits bei weiteren Projekten Gespür für smarte Lösungen. So ist im Auslauf der Kläranlage zur Elbe eine sogenannte Kaplanturbine installiert. Sie nutzt den Höhenunterschied von rund sechs Metern zur Energiegewinnung. Mit einer Nennleistung von 120 Kilowatt produziert das Wasserkraftwerk zirka 680 Megawattstunden im Jahr.  

Auf der Dachfläche des Regenüberlaufbeckens erzeugen 949 Module einer Photovoltaikanlage einen Jahresertrag von rund 180 Megawattstunden (Leistung: 190 Kilowattpik).

Eine weitere interessante Option für die Stadtentwässerung Dresden sind die E-Mobilität (Fahrräder und Kfz) sowie der Einsatz von Bio-Erdgas-Fahrzeugen.