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Veranstaltung am 23.4.2018 „Medizin trifft Kläranlage“

23.04.2018 | Experten aus dem Gesundheitswesen und Abwasserunternehmen diskutierten über das Thema: Steigender Arzneimittelkonsum belastet die Gewässer - was können wir tun?

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Unter der Überschrift Medizin trifft Kläranlagetrafen sich am 23. April 2018 in der historischen Siebscheibenhalle des Klärwerkes Dresden-Kaditz renommierte Experten aus dem Medizin- und Wassersektor zum Dialog. Unter der Federführung des sächsischen Forschungsprojektes „MikroModell“ (www.mikro-modell.de) widmete sich der Dialog den Fragen: Wie gehen wir mit dem steigenden Arzneimittelkonsum um? Was muss getan werden, damit  Arzneimittel umweltfreundlicher und die Gewässer weniger belastet werden? „Wirksame Eintragsminderungen lassen sich nur im Dialog mit der Pharmaindustrie über Forschung und Entwicklung, mit Ärzten und Apothekern und nicht zuletzt mit den Verbrauchern selbst erreichen“, ist die kaufmännische Geschäftsführerin der Stadtentwässerung Dresden, Gunda Röstel, überzeugt. Die Herausforderung der unerwünschten und nicht kontrollierbaren Folgen der Arzneimittelreststoffe in der Umwelt wird immer dringlicher vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung und dem dramatisch steigenden prognostizierten Arzneimittelkonsum. Eine Studie des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft e. V. (BDEW) erwartet bis 2045 Steigerungsraten um bis zu 70 Prozent.

Die Kläranlagen von heute mit einer 3. Reinigungsstufe lösen das Problem nicht bzw. nur teilweise bezogen auf einzelne Stoffgruppen. Aber auch eine 4. oder 5. Reinigungsstufe, die mit einem deutlich höheren Energieverbrauch und daraus folgend mit erheblichen Kosten zulasten der Bürger verbunden wäre, bieten keine 100-prozentige Lösung. Dr. Florian Reißmann, Geschäftsführer der BDEW-Landesgruppe Mitteldeutschland, stimmt zu: „Bevor wir uns Gedanken über die Einführung weiterer Reinigungsstufen machen, sollten wir das Problem an der Wurzel packen und alles daran setzen, damit Medikamente richtig entsorgt werden. Wir brauchen eine Arzneimittel-Strategie, die sowohl die Hersteller als auch die Anwender und Verbraucher in die Pflicht nimmt.

Es darf nicht sein, dass die Wasserwerke und Abwasserunternehmen zu Reparaturbetrieben unserer Gesellschaft werden und dafür auch noch die Kosten tragen." Professor Peter Krebs, Institutschef der Siedlungswasserwirtschaft an der TU Dresden und Leiter des Forschungsprojekts „MikroModell“, sagt: „An erster Stelle sind im Sinne des Vorsorgeprinzips Maßnahmen zur Vermeidung und Verminderung an der Quelle anzustreben. Das schließt im weiteren Verlauf ergänzende Maßnahmen zum Schutz der Gewässer vor unerwünschten Folgen nicht aus. Diese müssen aber mit und zwischen den Akteuren abgewogen und auf der Basis ökonomischer, ökologischer und sozialer Kriterien fair ausgehandelt werden.“ Alle Referenten machten deutlich, dass von der Aufgabe einer sachgerechten, flächendeckenden Entsorgung von Restmedikamenten, über Forschung und Entwicklung im Pharmabereich bis zum sorgsamen Arzneimittelgebrauch noch viel zu tun bleibt.

Gute Ansätze gibt es bereits, vom Entsorgungsmodell der Medikamentenrücknahme in Chemnitz oder Leipzig bis zum klinikübergreifenden infektiologischen Konsildienst sowie dem Einsatz von Stationsapothekern am Uniklinikum Dresden. „Im Interesse der Patientengesundheit, aber auch mit Blick auf Umwelt und Kosten, konnten wir am Uniklinikum Dresden den Medikamentenkonsum deutlich senken — allein durch die fachgerechte Beratung“, berichtete Professor Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden.

Nicht zuletzt ist der Bereich „Forschung und Entwicklung“ gefragt, besser abbaubare und umweltverträgliche Arzneimittelstoffe zu entwickeln. Unter der Überschrift „Benign-by-Design“, weckte Professor Klaus Kümmerer von der Leuphana Universität Lüneburg daher die Hoffnung, dass das Problembewusstsein in der Pharmaindustrie angekommen ist: „Wir forschen an Pharmazeutika, die sich leicht in der Umwelt von Bakterien abbauen lassen und sehen hier großes Zukunftspotenzial.“ Konkrete Ansätze zur Reduzierung des Eintrages von Arzneiwirkstoffen verfolgt auch das Sächsische Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft. Mit Apothekerverbänden wurden Systeme zur Rücknahme von Altmedikamenten und bedarfsgerechter Konfektionierung erörtert. Weiteres Potential sieht das Ministerium darin, Ärzte durch Information über Umweltauswirkungen zu einer stringent bedarfsgerechten Medikamentierung anzuhalten.

Deshalb bekam der Redebeitrag von Ministerialdirigent Ulrich Kraus viel Beachtung.Ich freue mich über den offenen, kritisch-konstruktiven Dialog hier in Dresden. Genau das brauchen wir regional, national, aber auch auf europäischer Ebene. Dafür werde ich mich einsetzen!“, so Ulrich Kraus. 

Die Gastgeber aus dem Forschungsverbundprojekt „MikroModell“ und des BDEW zogen ein erstes Fazit: Der Anfang für einen guten Dialog ist gelungen, nun kommt es auf die Fortsetzungen und konkrete Folgemaßnahmen an. Der Stakeholder-Dialog des Bundesumweltministeriums bietet hierfür eine wichtige Plattform.