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Geschichte

3000 v. Chr. die ersten Abwassersysteme

Der Druck auf die WC-Spülung nach dem "großen oder kleinen Geschäft", oder nach dem Bade einfach den Stöpsel aus der Wanne zu ziehen, ist für uns heute selbstverständlich. Bereits mehr als 3000 Jahre vor Christi hatten die Sumerer im Zweistromland zwischen Euphrat und Tigris Abwassersysteme. Auch Griechen, Römer und Ägypter kannten die Bedeutung der Stadthygiene und hatten entsprechende Anlagen.


Die im Mittelalter einsetzenden Stadtgründungen zum Schutz der Kaufleute und Hand- werker in Europa vernachlässigten aus Unwissenheit die Stadthygiene. Für Seuchen und Epidemien machte man Hexen verantwortlich oder man glaubte an göttliche Strafen.

19. Jahrhundert   

Mit den ersten gepflasterten Plätzen und Straßen wurden Rinnen und Leitungen zur Stadtentwässerung gebaut. Fäkalien sammelte man bis Mitte des 19. Jahrhundert als "Standardlösung" in einfachen Gruben.


Die ersten Entwässerungsleitungen in Dresden entstanden ab 1812 mit dem Schleifen der Festungsanlagen. Rund vierzig Jahre später wurden unter der Leitung von Ober- ingenieur Karl Mank die ersten Kanäle in der Antonstadt gebaut. 1874 beschloss der Stadtrat die Neuordnung, diese war die Grundlage der Schwemmkanalisation. Unter Stadt- baurat Hermann Klette begann 1890 der planmäßige Ausbau der Stadtentwässerung.

20. Jahrhundert   

Von der Wende zum 20. Jahrhundert bis 1908 entstehen der Neu- und der Altstädter Abfangkanal. Am 15. Juli 1910 geht die Kläranlage Kaditz mit Siebscheiben in Betrieb. Für die Technik zeichnete Klette (1847 – 1909) verantwortlich, der Architekt der heute unter Denkmalschutz stehenden Gebäude war Hans Erlwein (1872 – 1914). Das Kanalnetz war damals bereits über 430 Kilometer lang. 1934 wird der Loschwitzer Holzrohrdüker gebaut und das Freitaler Abwasser in Kaditz gereinigt. 1935/36 entsteht die erste geschlossene Klärschlammfaulungsanlage.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wechseln die Organisationsformen für die Dresdner Wasserversorgung und Abwasserbehandlung öfter. Von 1952 bis 1956 ersetzt man die Siebscheibenanlage durch rechteckige Absetzbecken und baut den zweiten Faulturm. Ab 1964 wird für 22 Jahre die kombinierte Klarwasser- und Klärschlammverregungsanlage der GPG "Frühgemüsezentrum" betrieben. Nach einer Havarie 1987 fließt das Dresdner Abwasser fast fünf Jahre lang ungeklärt in die Elbe. Am 1. November 1991 nimmt das Kaditzer Klärwerk mit einer neuen Absetzanlage und einer Teilkapazität der Hochlast- belebung als erste Stufe der biologischen Abwasserreinigungsanlage erneut den Betrieb auf.

Eine Weltspitzenleistung ist die Rekonstruktion des 1000 mm Durchmesser starken und 230 Meter langen Dükers am Flügelweg durch einen Inliner aus einem Stück (Februar 1992).

1993   

Mit der Gründung der Dresdner Wasser und Abwasser GmbH als Tochterunternehmen der Technischen Werke Dresden GmbH beginnt am 11. März 1993 die direkte Geschichte der Stadtentwässerung Dresden.

Im Dezember  wird der Loschwitzer Holzdüker rekonstruiert. Eine Weltneuheit schließt sich an: Gemeinsam mit der Partnerstadt Hamburg startet der Probebetrieb des Drehbogens in der alten Kläranlage Leuben zur Steuerung des Abwasserflusses. Am 28. März nimmt das Pumpwerk Stetzsch seinen Betrieb auf. Damit können die Kläranlagen Stetzsch und Cossebaude stillgelegt werden. Weiterhin erfolgt die Bauabnahme des Wachwitzer Dükers und in Betrieb geht die Fäkalienannahmestation Klotzsche. Radebeul-Ost wird an die Kläranlage Kaditz angeschlossen, in der seit Juli die gesamte Kapazität der biologischen Reinigungsstufe zur Verfügung steht.

1995   

Seit 1995 arbeitet die chemische Phosphateliminierung und die neue Schlammbe- handlungsanlage mit Eindickung, Entwässerung und Trocknung.

2001   

Seit der politischen Wende 1989 wurde endlich wieder entscheidend in technische Anlagen investiert, aber auch die Arbeitsbedingungen der Kanalnetzmitarbeiter ver- bessern sich. Am 17. September wird der Kanalnetzstützpunkt Ost (Niedersedlitzer Str. 59b) übergeben.

Nach zwei Jahren Bauzeit nimmt am 8. Oktober das Regenüberlaufbauwerk Dresden- Johannstadt den Betrieb auf. Auf einer Fläche von 50 x 45 Metern können in den fünf Kammern bis zu 12.000 m³ Mischwasser gespeichert und dosiert nach Kaditz abgeleitet werden.

2002   

Die Jahrhundertflut im August 2002 überschwemmt auch die Anlagen des Kaditzer Klärwerkes. Ungereinigte Abwässer von 500.000 Menschen, rund 110.000 m³ pro Tag, fließen ungeklärt in die Elbe. Doch nur 13 Tage lang! Denn am 29. August kann der Betrieb wieder aufgenommen werden, wenn auch mit verminderter Kapazität. Pumpwerke werden provisorisch betrieben und auch das Kanalnetz ist stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Die Hochwasserschäden bei der Stadtentwässerung Dresden liegen bei über 50 Millionen Euro.

 

Im September werden die Verträge für die Abwasserüberleitung aus Pirna/Heidenau nach Dresden unterzeichnet. Diese Investition ermöglicht die Außerbetriebnahme des ver- alteten Klärwerkes Pratzschwitz Ende 2005.

2003   

Am 1. Juli wird die aquabench GmbH von elf Unternehmen, Kommunen und Wasser- verbänden gegründet. Benchmarking wird von der Stadtentwässerung in den Bereichen Steuerungskennzahlen, Kanalbau, Kanalbetrieb und Kläranlagenbau praktiziert. Der Bau des Regenüberlaufbeckens Kaditz mit einer Kapazität von 24.000 m³ wird am 22. März übergeben.

Das Qualitäts- und Umweltmanagementsystem (QUMS) ist Grundlage für die Aufnahme in die Umweltallianz Sachsen am 8. Juli.

Am 3. November wird der Eigenbetrieb Stadtentwässerung Dresden in die Unternehmens- form GmbH – Gesellschaft mit beschränkter Haftung – umgewandelt. Strategischer Partner ist nun die GELSENWASSER AG mit einem Geschäftsanteil von 49 Prozent. Der neue Anteilseigner plant, Dresden als bedeutenden Standort der Wasserwirtschaft weiter- zuentwickeln. Deutlich wird dieses Engagement der GELSENWASSER AG mit der ein- maligen Finanzierung einer Professur unter der Thematik "Industriewasserwirtschaft" an der Technischen Universität Dresden.

2005   

Anfang Juni 2005 wird nach zweijähriger Bauzeit die neue biologische Abwasserbe- handlungsanlage im Klärwerk Dresden-Kaditz feierlich in Betrieb genommen.

2006   

 

Seit 2006 befördert das neue Pumpwerk an der Heidenauer Malzfabrik das Abwasser aus dem Einzugsbereich Pirna/ Heidenau zur Reinigung ins Klärwerk Dresden-Kaditz.

 

Von Oktober 2005 bis Dezember 2006 kam es zur Erneuerung des Altstädter Abfangkanals zwischen dem Regenüberlaufbecken Dresden-Johannstadt sowie Vogesenweg und Steinstraße.

 

Am 2. August erfolgte die Inbetriebnahme der vorgeschalteten Denitrifikation in der Kläranlage Dresden-Kaditz.

2008   

In Dresden-Stetzsch ging am 1. Oktober ein neues Abwasserpumpwerk in Betrieb. Die Anlage entwässert die Stadtteile Cossebaude, Gohlis, Stetzsch, Kemnitz und Briesnitz. Bis zu 160 Liter Schmutz- und Regenwasser fördern die zwei Pumpen (eine weitere steht zur Reserve) über eine Druckleitung (DN 400) unter der Elbe hindurch zur zentralen Kläranlage Dresden-Kaditz.

 

Baustart für Hochwasserpumpwerk Dresden-Johannstadt am 22.Oktober.

 

Grundsteinlegung für die Schlammbehandlungsanlage mit zwei eiförmigen Faultürmen am 2. Dezember.

2009   

Im Mai beginnt die Sanierung eines Teilstücks des Altstädter Abfangkanals mit einer Länge von etwa 1.300 m in der historischen Innenstadt. Nach 110 Jahren erhält der alte Kanal aus Stampfbeton ein neues Innenleben aus glasfaserverstärkten Kunststoffelementen.

 

24. April: Grundsteinlegung für das neue Hochwasserpumpwerk Dresden-Johannstadt. Das Pumpwerk soll bei Hochwasser und starken Niederschlägen die Kanalisation vor dem Kollaps bewahren, indem es bis zu 18.000 Liter Abwasser pro Sekunde in die Elbe fördert.

2010   

Richtfest für die Schlammbehandlung wird am 29. April gefeiert. Weit sichtbar ist der 40 Meter hohe Wartungsturm, indem Medienkanäle und ein Aufzug untergebracht werden. Gleich daneben hat das erste „Faul-Ei“ beinahe seine endgültige Höhe von 35 m erreicht.

 

Am 25. Oktober wurde im Umweltzentrum Dresden der Verein „Wasserwirtschaftliches Energiezentrum Dresden – e.qua impuls“ gegründet. Ziel ist, Ideen und Maßnahmen zu generieren, um die Energieeffizienz zu steigern sowie die CO2-Emissionen und den Ressourcenverbrauch im Abwasserbereich zu verringern. Die Mitglieder sind: Stadtentwässerung Dresden GmbH, GELSENWASSER Entwicklungsgesellschaft mbH Dresden, Fraunhofer Institut für Keramische Technologien und Systeme (IKTS), das Institut für Siedlungswasserwirtschaft der Technischen Universität Dresden sowie das Umweltzentrum Dresden e.V.

 

Die Inbetriebnahme des Hochwasserpumpwerkes Dresden-Johannstadt wird am 29. November gefeiert. Der Probebetrieb startet. Damit die Engriffe in die Landschaft gering bleiben, verschwinden die drei Untergeschosse des Pumpwerks unter der Elbwiese, die Sohle reicht 12,5 Meter unter die Erde.

 

2011   

Am 1. November 2011 jährt sich die Wiederinbetriebnahme der Kläranlage Dresden-Kaditz zum 20. Mal. Nach einer Havarie 1987 floss das Dresdner Abwasser fast fünf Jahre lang ungeklärt in die Elbe. Erst 1991 konnte dieser unhaltbare Zustand beendet werden. Nach weiter umfangreicher Sanierung gehört die Kläranlage Dresden heute wieder zu den modernsten Europas.

 

Der Bau der neuen Klärschlamm-Behandlungsanlage der Kläranlage Dresden-Kaditz kommt gut voran. Schon von Weitem sichtbar sind die beiden „Faul-Eier“ mit einer Höhe von 35 Metern. In der Kläranlage Dresden-Kaditz wird das Abwasser von rund 650.000 Menschen behandelt, dabei fallen täglich fünf Millionen Liter Klärschlamm an. Das Methan, das bei der „Vergärung“ entsteht, soll in Zukunft aufbereitet und zur Strom- und Wärmeerzeugung genutzt werden. Die Inbetriebnahme der Methanproduktion im ersten Turm startete im Dezember, der zweite folgte im Frühsommer 2012. In einem Blockheizkraftwerk werden jährlich 13.000 MWh Elektroenergie erzeugt – das entspricht der Hälfte des Elektroenergiebedarfes der Kläranlage Kaditz.